Vorstellung
"Intimität und Pose" war der treffende Titel einer Ausstellung vor einigen Jahren in der Hamburger Kunsthalle. Im Mittelpunkt die anmutigen Tänzerinnen des berühmten französischen Malers Edgar Degas. Intimität, also Vertrautheit, zwischen Modell und Künstler besitzen in hohem Maße auch die Fotografien Enrico Nawraths. Das war schon offenbar bei seiner ersten Ausstellung in der Galerie Ei im Jahr 2011.

Anders als in der ersten Präsentation sind es jetzt vor allem die inszenierten Posen außerhalb des konkreten Balletts. Nawrath lotet zudem auch mutig die Möglichkeiten des montierten Bildes aus, schafft damit neue inszenierte hochästhetische Wirklichkeiten. Die Inszenierung des Körpers zwischen Anmut und Natürlichkeit in der Schwebe zwischen Intimität und Pose, Gedankensplitter und einer Geschichte dahinter.

Der vom Fotografen in Szene gesetzte Körper ist inspiriert von den Gesetzen und Geheimnissen des Tanzes, um die sie beide zutiefst wissen. Der Fotograf und sein Modell.
Denn Nawrath war - bevor er seine sensationelle Karriere als gefragter Fotograf zwischen Berlin und Bayreuth begann - selbst Tänzer, Mitglied des Staatsballetts Berlin.
Wenn beispielsweise die Primaballerina Beatrice Knop als Josephine Baker für Nawarth posiert, geschieht das mit jenem Augenzwinkern des Einverständnisses. Und an der Hüfte trägt sie dann eben nicht ihre legendären Bananen, sondern ihre zertanzten Schuhe…

 

Intimität und Pose - Nawarths Fotografien balancieren unaufhörlich in diesem Schwebezustand. Im Zusammenspiel von Licht und individuellem Körper kann man der inspirierenden Kraft der einen Kunst für die andere, des Tanzes für die Fotografie, gewahr werden.
Enrico Nawraths Fotografien zum Thema Tanz und Ballett stoßen zugleich auch in neue künstlerisch-technische Dimensionen vor.
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Die Tanz- und  Porträtfotografin Charlotte Rudolph hatte einst notiert: "Der Photograph muss sich nicht nur in die Tänzer hineinfühlen, er muss vorausfühlen, denn das Auge sieht den Moment durch die Vermittlung des Gehirns später als der Apparat. "
Indes überlässt Enrico Nawrath nichts dem Zufall, er fühlt nicht voraus, er weiß voraus. Die Perfektion des Tanzes und die Perfektion des Fotografen gehen eine erregende Symbiose ein. Perfektion nicht als kühle Fehlerlosigkeit, sondern als ein künstlerisches Ergebnis, das sich aus der Seele des Tanzes und der Gefühlsstärke von Enrico Nawraths Fotografie speist.
Vorstellung (Ausstellung vom 10.05. - 09.07.2011)

Wer im Publikum einer klassischen Ballett-Aufführung sitzt, weiß um die Intimität des Augenblicks, des Unwiederholbaren. Wer vor den Fotos von Enrico Nawrath unter dem Titel "The 3rd - THAT'S ALL ME" steht, erlebt den unwiederholbaren Augenblick so lange er mag. Die Intimität gleitet plötzlich ins Öffentliche. Dass jedoch der eingefangene Moment der perfekte, der richtige, der einzige ist, wird der Ballett-Verständige sofort zugeben. Dass es aber auch der Moment des einzig richtigen Fotos ist, wird der Fotografie-Verständige bestätigen. Und wir, das Publikum, können nur staunen vor so viel Intimität und Öffentlichkeit zugleich.

Dass die Kamera dieses Fotografen sein Gegenüber liebt, ist unübersehbar. Enrico Nawrath war selbst klassischer Bühnentänzer, bevor er die Seiten wechselte. Perfektionist und Ästhet in einem - so gelingen ihm diese Tänzerfotografien, die in Nachbarschaft zu Renaissance-Plastik durchaus Bestand hätten. Athletische Gestalt in Großform, das Schwarz-Weiß der Fotografien auf Leinwand dazu in Entsprechung ohne jeden zusätzlichen Aufputz.

Die körperformende Schönheit des Tanzes ist es aber nicht allein, die diese Fotografien so  sehenswert macht. Nawrath vertrauen ganz offenbar die größten Tanzstars, die Vladimir Malakhov um sich schart. Darum darf man dabei sein, wenn sie  - auch zuweilen ein wenig kokett - vor der Kamera mit ihm spielen wie man nur mit einem Freund, einem Vertrauten spielen kann. 

Sie dürfen sicher sein, Nawrath wird niemals der optischen Sensation die Diskretion opfern. Tanz-Fotografen gibt es zuhauf. Einer wie Enrico Nawrath ist wie Goldstaub. Denn er kann ein wenig die Welt anhalten, zumindest für den Moment, da er auf den Auslöser drückt...

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