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Vorstellung

Ausstellung vom 28.03. - 28.4.2018

Wenn Dinge durch langes Anschauen fremd werden, die Grenzen zunehmend verfliegender Gegenständlichkeit überschreiten, dann sind sie offenbar Ausgangspunkt für Auge und Hand des Berliner Künstlers Joachim Bayer. Zum dritten Mal stellt die Galerie Ei Arbeiten von ihm aus. Vor allem das stille Medium der Zeichnung offenbart die spröde und reizbare Empfindsamkeit, mit der dieser Maler Kunstwürdigkeit im Banalen, im Alltäglichen entdeckt. Kaffeekapseln, Kaffeekapseln, Kaffee…. 

Liebermanns Satz vom Zeichnen, das Weglassen heißt, stimmt und stimmt doch wieder nicht für Bayer. Jeden Tag das gleiche andere. Der Prozess des Sehens fordert ihn heraus, weil er prozesshafte Veränderung festschreiben will. Die Bewegung in der Ruhe. Das Sosein im Anderssein. 

Wie nebenbei, nicht nebensächlich, sind seine Blätter mit Pflanzen auf dem Balkon der Lebensgefährtin entstanden. Souveränität, die aus  Meisterschaft wächst. Die Wasserlandschaften leben ganz durch die Freiheit der weißen Fläche, vor der Bayer so gar keine Angst kennt. Ganz anders dagegen, die gestaffelten Fassaden der Oderberger Straße, in der Joachim Bayer auch wohnt. Menschenleer zwar, doch aufgeregt und turbulent wie ein Ameisenhaufen.

Einer wie er geht durch die Welt und sieht voller Gelassenheit mitunter Bilder, die überhaupt so nicht existieren. Doch wer seinen Gedankenkreisen folgt, wird unmerklich aussteigen können aus dem Trubel der Alltäglichkeit, der doch der Ausgangspunkt für ihn ist. Und man merkt, der emotionale Klang stimmt, weil er nicht ins Ungefähre abdriftet.

Vorstellung

Ausstellung vom 02.09.2015 - 31.10.2015

Als vor gut vier Jahren der Berliner Achim Bayer in der Galerie Ei ausstellte, war das Publikum fasziniert von der analytischen Präzision seiner gläsern-kühlen Wasser- und Wolkenbilder. Es war das unaufdringliche Pathos dieser naturgenauen Bilder, das sie so anziehend machte.

Die vergleichsweise kleinen Landschaften, die Porträts, aber auch die großen Malereien, die Bayer jetzt hier zeigt, offenbaren eine neue künstlerische Freiheit. Kalkulierte malerische Exzesse - wie z.B. seine förmlich zu vibrieren scheinende Leinwand „Rausch“- sind von einer überraschenden Plötzlichkeit, Farben wie Hiebe aufgetragen mit dem Malwerkzeug.

Die schwarz-weißen Porträts und Landschaften sind in ihrer Innigkeit, ihrer sanften Bewegung und Rhythmik Ergebnis langen Schauens und Beobachtens. Die endgültige Form findet Bayer offenbar mitten im Entstehungsprozess. Das Vertraute ist fremd genug geworden. Landschaft ist Porträt, Porträt ist Landschaft. Handlungen kommen kaum vor, nur die Stille ist hörbar. Kompromisslos und konzentriert vermitteln seine Bilder Kraft, ohne jemals herrisch zu sein. Ebenso wie sie zart sein können, ohne im Ungefähren stecken zu bleiben.

Bayer ist klar, dennoch behält er sein Geheimnis.

Manche Blätter scheinen wie eilig geschriebene Mitteilungen, kalligraphisch kurz gehaltene Linien, die zuweilen mit schwarzer Kreide Konturen und Schraffuren an sich binden. Die von ihm Porträtierten sind weniger interessant als konkrete Personen, vielmehr als Träger menschlicher Befindlichkeiten. Schmerz, Traurigkeit, Einsamkeit. Das strenge Schwarz ist weder kokett noch spielerisch.

Aufrichtig, einfach aufrichtig.

Vorstellung
Ausstellung vom 10.05.2011 - 09.07.2011

Nach unserem Atelierbesuch bei Joachim Bayer war ziemlich schnell klar: Diese Wasserlandschaften sollen es sein, die in ihrer ästhetischen Klarheit, ihrer intellektuellen Unruhe und unfarbigen Farbigkeit eine Realität jenseits des Naturgenauen schaffen. Das so faszinierende scheinbar Naturgetreue seiner Bilder löst sich auf im malerisch Vollkommenen der klaren und hochästhetischen Bildsprache.

"Die Natur selber macht sich nicht schön morgens vor dem Spiegel, wie die Menschen. Sie ist schön durch unsere Augen, durch unsere Gefühle und Sehnsüchte…", so notierte der Maler selbst über seine Arbeiten.

Mit außerordentlichem Farbensinn balanciert Bayer zwischen Romantik und Sachlichkeit. Gedämpft und sanft sprechen seine Leinwände zum Betrachter. Durch den Klang der unendlich reichen Grautöne auf seinen Bildern wird das stumme Drama niemals zum lauten Spektakel. Unverhofft leuchten dann wieder satt-lichtes Blau, flirrendes Rosa, flüchtig-warmes Gelb auf seinen menschenleeren Landschaften. In seinen spannungsreichen Kompositionen sind die monumentalen großen Gesten genauso wichtig wie die leisen Stimmungen.

Die suggestive Kraft und emotionale Wirkung von Joachim Bayers Bildern macht, dass sie sich im Gedächtnis des Betrachters verhaken. So oder so - man muss sich einlassen. Und bei diesem Sich-Einlassen wird man unversehens in ein Formenspiel der Phantasie hineingezogen, das selten geworden ist bei all der Bilderflut, die uns tagtäglich überrollt.