Vorstellung (Ausstellung vom 2.04. - 30.04.2014)
Zweiter Auftritt für die Berliner Malerin Veronika Wagner in der Galerie Ei. Wiedererkennen und Überraschung zugleich. "Echte Kunst ist eigensinnig." Dieser Satz, gelesen bei Gabriele Münter, kam mir vor den Arbeiten von Veronika Wagner in ihrem Wohn-Atelier im Prenzlauer Berg blitzartig in den Sinn. Man glaubt, sie zu kennen, zu er-kennen, doch längst hat sie sich entzogen, gehäutet, neu erfunden. Plötzlich präsentiert sie Bilder, die so ganz anders sind als vieles bisherige. Aber Wagner bleibt schon Wagner.Weil sie immer die Balance zu halten weiß zwischen Äußerlichkeit und Innerlichkeit. Manchmal auch unter Vernachlässigung einer physischen Realität. Veronika Wagner hat die Kraft, mit ihren gemalten Bildern beim Betrachter die eigenen inneren Bilder wie eine Beschwörerin herauszulocken. Das macht sie so einzigartig und damit doch wiedererkennbar.

Zwischen kIarer gebauter Gegenständlichkeit haben ihre kostbaren kleinformatigen Stadtlandschaften etwas von bleiverglasten Scheiben, durch die zauberisch die Sonne fällt. So sind sie und sind doch nicht. Die dunklen Umriss-Stege und schlichten Gegenstandsformen geben mit einer gewissen Radikalität Landschaft, Stadtlandschaft, als ein fast abstraktes Gefüge verschiedener Farbfelder wieder. Die klare, strukturierende Sehweise dieser Bilder lässt irgendwo an eine Verwandtschaft, ja wieder, an Gabriele Münter denken.

Rigorose Vereinfachung, die Bildelemente auf fast schemenhafte Figuren und eine sparsame Farbpalette reduziert, weisen auch Veronika Wagners Schatten-Bilder auf. Eine Bildorganisation, die die traditionellen Gesetze des Malens zwar nicht sprengt, den Bildraum jedoch selbstbewusst und unkonventionell vermisst. Ansicht durch Draufsicht. Zwischen klarer Gegenständlichkeit und afrikanisch anmutendem Textil sind ihre Bilder wie Mitteilungen vom Menschen in einer Universalsprache. Kürzel, Spuren, Abdrücke, Signaturen, Symbole. Zeichenhaft, geschlechtslos, ohne Nationalität, keine sozialen, keine ethnischen Merkmale. 

Schatten - mehr verdichtet geht nicht. Malerisch nicht und gedanklich auch nicht. - Wie überlegen und überlegend ist sich diese Malerin ihrer Mittel bewusst. Sie weiß um die Kraft von Harmonie, sie kennt auch die tiefe Sehnsucht, die wir ja alle in uns tragen, wider besseres Wissen Gegensätze und Konflikte miteinander zu versöhnen. Sie tut es in ihren Schattenbildern und sie tut es nicht. Fremdheit und Nähe entsteht und geht.
 
Anregung für diese fast schon meditativ zu nennenden Bilder fand Veronika Wagner übrigens im Berliner Mauerpark. Inszenierte Momentaufnahmen. Zufällig und sorgfältig kalkuliert in einem. 
Vorstellung (Ausstellung vom 15.02. - 24.03.2012)

Die Bilder der Veronika Wagner sind die Bilder einer Spurensucherin und Erfinderin zugleich. Veronika Wagner ist eine Seherin, weil sie um das Verborgene, um das Verlorene, das Vergessene unserer Geschichte und in unserem alltäglichen Leben weiß. Sie geht dem nach. Sie legt frei, sie trägt ab. Ihre Kunst gibt davon Mitteilung. Klar und frei. So klar und frei, dass man kalt dabei nicht bleiben kann. So oder so.

Der Nachhall des Bleibenden hält in Atem, weil alles, was diese Malerin auf die Fläche bringt, davon erzählt, wie gefährdet es ist. Kreatur, Mensch, Landschaft. Die Erdklänge ihrer Bilder ermöglichen einen ganz neuen Zugang zur Wirklichkeit. Sie erzeugen Assoziationen, die die eigenen Horizonte ins Schwingen bringen.

Jeder Schritt in den Himmel wird  - wie bei den Luftbildern beispielsweise - zum Schritt auf verbürgtem Boden. Veronika Wagner zeigt uns die stabilen Zonen der Transparenz. 

Sie verlässt die Zweidimensionalität der Leinwand, geht erfindungsreich in die dritte Dimension. Regelrecht greifbar sind Strukturen ihrer Bilder aus Sand, Erde, Asche, Gips, Leim, Farbe. Formenreiche Oberflächen, deren Unter-Grund im Wortsinn immer Element ist. Glatt ist die Erde nur aus der Ferne, unter den Füßen in rauer Schönheit erst wirklich nah. Die Risse in der Gletscherzunge sind kraftvolle Zeichen, dass wir nicht sehenden Auges die Katastrophe geschehen lassen.

Realistisch und zeichenhaft in einem geht von der großartigen Kunst der Veronika Wagner eine Faszination aus, weil sie scheinbar mühelos den Bogen spannt vom Weitläufigen zum Konkreten. Anstelle direkter Inhalte und plakativer Blickfänger bieten ihre Arbeiten deshalb auch kongruente Landschaften der Sinnlichkeit. Symbole, Abstrakta, Lebenszeichen anderer Kulturen, Embleme eigener Erfahrung und Anleihen aus dem Fundus alter Weisheit. Sie wirken kreativ in dieses Ensemble mit ein, und so entstehen jene für die Künstlerin typischen ausblickenden Einblicke in die Welt, in eine mitunter fremde Welt, die sich ihrer Mitteilung jedoch nicht länger verschließt. Ihr Geheimnis ist den Bildern teilnahmsvoll anvertraut, das wissende Gefühl hat seine Optik gefunden.

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