Hans Scheib

Hans Scheib
Bildhauer
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Vorstellung

Erdmann, Reichmann, Scheib. Drei Namen, drei Bildhauer in Berlin, die vor gut einem viertel Jahrhundert plötzlich in aller Munde waren. Sie beteiligten sich 1982 an der großen Freiluftaustellung im Treptower Park mit einer sensationellen Arbeit. Die Bodenplastik „Nie wieder Krieg“ schärfte provozierend und abseits der tradierten Sehgewohnheiten den Blick für erfahrenes und angerichtetes Leid. Sie gaben ihm einfühlsam die menschliche Dimension. Unpathetisch.

Und bei dieser Dimension ist Hans Scheib in seiner Kunst immer geblieben. Stiller Schrei, namenloses Entsetzen, giftiger Humor, berstender Sarkasmus, fröhliche Erotik - alles bringt er in diese menschliche Dimension. Spontan, emotional, radikal, frivol, persönlich und redlich sprechen Scheibs künstlerische Erfindungen zum Betrachter. Eindringlich und tief. „Aus tiefem Grund heraus zu schreien gilt nicht als fein“, schreibt der Dichter-Freund Uwe Kolbe. In diesem Sinne sind Scheibs Figuren nicht fein. Sie schreien heraus. Sie sind die harten Wahrheiten und die auszuhaltenden Zumutungen über das Leben, über die Menschen. Sinnlich und aus tiefem Grund.

Gegenständlich ist Hans Scheib geblieben. Nicht im Sinne eines Schubladen-Realismus, weil er nie Realität abbildet. Es ist seine eigene künstlerische Wirklichkeit, die auf der grellen Bühne des Lebens ihre Strukturen und Bezüge offenbart. Die gibt es im Alltag nicht. Oder es gibt sie ausschließlich. Das aufgebrachte Leben, das seine hölzernen Bildsäulen, Bildblöcke unseren Sinnen zu kosten geben, ist hartes Brot. Nichts für zahnlose Geister. Scheib schont niemanden. Schonungslos.

Es ist der Ab-Grund, an dem er die Balance hält, weil er unbekümmert den Aufbruch ins Ungewisse voran treibt. Wie das wilde Kind, das sich die Freiheit nimmt, neugierig seine Grenzen zu überschreiten oder diese selbst zu setzen. Die scheinen für Scheib einzig in der Gewissheit zu liegen, dass nichts sicher ist. „Ich wusste nie, was ich morgen machen werde“, sagt er. Als er in den 80er Jahren von Berlin Ost nach Berlin West ging, war das für ihn der „Schritt ins Unbekannte... zum blauen Horizont der ungeahnten Möglichkeiten.“

Der Tod, die Wollust, die Angst, die Einsamkeit, die Sehnsucht, das Scheitern, die Bedürftigkeit ... Scheib weiß menschlichen Seinszuständen, Eigenschaften, Gefühlen rigorosen Ausdruck zu geben. Nicht, weil er sie dem Leben ablauscht, er nimmt teil, er ist selbst ein Gezeichneter. Als bei seinen ersten künstlerischen Schritten als Bildhauer das edle Material der Bronze für ihn unerreichbar war, machte er aus der Not im wahrsten Sinne eine künstlerische Tugend. Verranztes Bauholz, das keiner wollte und brauchte, nahm er, zum Behauen, Bemalen. Wütend wie ein Berserker, kraftvoll wie ein Riese, sanft wie ein Lamm und humorvoll wie ein Clown findet er Wort für Wort seine sehr eigene künstlerische Sprache. Sperrig, sensibel, eigensinnig. Eigensinn.

Bei Scheib gibt es keine Glätte und keine Gefälligkeit. Er entlässt seine Geschöpfe schutzlos. Aber das Schutzlose ist nicht schutzlos. Das Widerständige, trotzig Aufbegehrende, lässt sich in keinem Augenblick verbergen. Die Überzeichnungen des Realen, die exaltierte Gebärde mag beim flüchtigen Hinschauen als Kalkül erscheinen. Es ist einfach nur Eigensinn. Eigener Sinn. Das macht die Kunst von Hans Scheib so kostbar. Er ist einer der wichtigsten Holzbildhauer geworden. Gelassen und selbstbewusst steht Hans Scheibs Kunst inmitten der exaltierten eitlen Medienwelt. Wortlos.