Vorstellung

Eckehart Ruthenberg ist ein bis dahin kaum bekannter Künstler. Nur, wer aus dem Kiez um den Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg ist, der wird sich an den 2011 verstorbenen „Ecki“ erinnern. Was die wenigsten wissen, die ihn kannten, ist, dass er nicht nur „Erinnerungsarbeiter“ und Holzschnitzer kleiner Engel war, sondern auch Holzbildhauer von Großplastiken, Maler und Gra ker. Legendär auch seine Abriebe jüdischer Grabmale.

In den 1980er Jahren arbeitete Ruthenberg an Großkletterplastiken für Spielplätze, verdiente mit Schnitzereien und Werbeplakaten sein Geld. Dies diente nicht zuletzt dem Broterwerb, denn dem am Ende der 1970er Jahre und dann noch einmal 1984 gestellten Ausreiseantrag folgten ein Ausstellungs- und quasi Verkaufsverbot. Es entstanden in dieser Zeit großformatige Alugrafien und Siebdrucke von eindrücklichem Ernst, fast tragischer Feierlichkeit („Weinende Balken“ oder „Man massakriert meine Würmer“) und oft von hintersinniger Komik („Spielenden Würmer“, die „Liebenden Würmer“ oder die „Kriegswürmer“). Es scheint so, als habe er fast alle Techniken einmal ausprobiert, mit ihnen frei gespielt. Seit den 1990er Jahren arbeitete Ruthenberg an großformatigen Collagen und Ölbildern.

Nicht erst 1989, nach seiner Übersiedlung in den Westen, war die deutsche Teilung sein Thema, dem er in Lithografien, Radierungen und zahlreichen Collagen Ausdruck gab. Es sind sensible Bilder seiner Grenzerfahrungen. Eckehart Ruthenberg war ein zutiefst politischer Künstler, denn es ließ ihn nicht kalt, was in der Welt geschah. Unrecht, Leid und Zwang erlitt er körperlich, Gewalt und Zerstörung drängten ihn, sich zu äußern. Am 18. Januar 1991 um 3.30 Uhr begann der Golfkrieg, eine halbe Stunde später malte er sein Bild.

Seine Arbeiten erzählen ganze Geschichten, der Holzschnitt, „Familie“, zeigt nicht nur eine Familie, sondern ein Familiendrama. Noch bevor wir den Titel gelesen haben, sind wir in der vom Künstler benannten Stimmung: „Ruhe“, „Macht und Gewalt“ oder „Wehrlos“. Andere Grafiken schrecken erst durch den Titel auf, etwa „Wenn wir nicht Kraft genug besitzen, so werden sie uns schänden“.

In seinen Grafiken zeigt sich, dass Eckehart Ruthenberg Design studiert hat, es gibt dekorative Stilelemente, Reihungen und Schriftzeichen, die aber niemals nur dekorativ gemeint sind. Er folgt keinen modischen Strömungen, keinem l‘art pour l‘art, er reagiert sensibel, manchmal traurig, manchmal komisch auf aktuelle Herausforderungen.

Dieser Mut, solche existenziellen Gefühle, Ängste, Lüste (wie die Grafik „Peters Glück“) in einer solcher Offenheit mitzuteilen, hat nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen Ruthenberg so besonders gemacht.

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