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Vorstellung (Ausstellung vom 4.09. - 05.10.2019)

Zum zweiten Mal stellt die Galerie Ei Kedron Barrett vor. Und wieder erleben wir, wie stark seine Bilder von der Ausdruckskraft der Farbe leben. „Wasserwege“ wählte er als Titel seiner Ausstellung. Konkreter Titel, konkrete Erwartung, Verweis auf Inhaltliches.

Was Barrett zeigt, sind Bilder voller Ausgewogenheit und Balance, Innehalten und die Konzentration auf einen Moment, der das Gesehene abbildet, dennoch weit über die reale Erscheinung hinausgeht. Barretts Bildlichkeit schafft eine eigene Realität. Diesseits und jenseits der Stille.Die gemalten „Orte“ sind für den Betrachter anonym und beziehen daraus ihre universelle Gültigkeit. Es herrscht Unmittelbarkeit und Abstand in stetem Gleichgewicht.

Wasser, Schiffe, Strand haben eine lange Tradition in der Malerei. Wasser bedeckt etwa Dreiviertel unseres Planeten. Dass dieses Element, das in dem einen Moment ist und zugleich in seiner fortwährenden Veränderung nicht ist, muss für Künstler eine Herausforderung ohnegleichen sein. Malen, was nie wieder sein wird, festhalten, was flüchtig ist. Dem Moment Dauer geben. Wasser, Licht, Wolken erscheinen als letzte vom Menschen und seinen Eingriffen und Zerstörungen, scheinbar unberührte Bastion. Landschaft, Natur, die zur Ruhe gekommen ist. Scheinbar.

Wenn Kedron Barrett bewusst auf seinen Bildern Menschen und die Spuren ihrer Tätigkeit ausklammert, kann man das auch als einen Hinweis auf den Zustand unserer Welt sehen, die bereits aus ihren ökologischen
Fugen geraten ist. Zeichenhaft stehen seine Pfähle, Buhnen, Stützen an den Ufern. Als würden sie sich schützend einem Eingriff widersetzen. Venedig? Mecklenburgische Pfahlbauten? Egal. Kedron Barretts Bilder, die vor lauter Licht und Energie von den Wänden leuchten, brauchen nicht die exakte geografische Zuordnung. Nicht das Naturwirkliche ist wichtig, sondern das Kunstschöne.

Barretts Bilder sind eher Stenogramme von einem Augenblick der Welt. Ein Flirren zwischen Vision und Realität. Bilder, die absichtsvoll gebaut sind und dem Zufall doch sein Spiel lassen. So der Natur verhaftet und artifiziell gleichermaßen, so spontan wie erarbeitet und kalkuliert sind diese Wasser-Wege-Landschaften.

Die aus der Natur vertrauten Farben verbinden sich mit den Farben der inneren Welt: blaues, grünes, gelbes, weißes Wasser. Farbe vertraut Licht. Heiter und wach. Die tiefe Ernsthaftigkeit dieses Künstlers malt indes keine Sorgenfalten ins Bild.

Die Kontraste, die Kedron Barrett einsetzt, steigern sich gegenseitig, Gelb-Blau, Rot-Grün, dazu Grau bis Schwarz als Farben, die diesen Kontrast nur unterstreichen. Der Paukenschlag entsteht von allein. Der Klang dieser Bilder ist darum so vertraut wie fremd in einem.

Es gibt ein Gedicht von dem rumänischen Dichter Marin Sorescu, das beschreibt, wie man die Wasserwege Barretts begreifen könnte, gewissermaßen als Brücke zwischen den Wasserwegen und uns:

Der Rost ging von Haus zu Haus
und suchte die Eisenmenschen.
Am morgen mussten sie einander
mit Haken
unter dem Schrott hervorziehen.
Daher wollten die Menschen keine
Eisenmenschen mehr sein.
Ich sah ganze Scharen
mechanischer Menschen,
die, angewidert von jeder Art Maschine,
zu Fuß heimkehrten
ins urväterliche Fleisch.

Vorstellung (Ausstellung vom 23.01. - 10.03.2013)
Das geduckte Dach glüht rot neben der lichtgelben Giebelwand vor dem violett-blauen Himmel. Feine Schattierungen dämpfen den kräftigen Farbklang und beleben den Farbraum. Ganz anders dagegen liegt die Insel Hiddensee im "Insellicht". Weich schwimmend, die Konturen gerade noch lesbar. Gebrochenes  Grün wechselt über ins Gelbgrün, verliert sich in einen wattigen stumpfen Himmel. Scheinbar sehr einfach ist die Formensprache des Malers Kedron Barrett. Aber komplex der Farbklang, den jede Arbeit entfaltet. Aus magisch leuchtenden Farben baut der in Berlin lebende gebürtige Amerikaner  Kedron Barrett seine Bilder, erzeugt durch die ruhige Aufteilung seiner Bildflächen eine universelle Harmonie.

Aber Farbe ist für Barrett nicht bloß ein Bildmittel und Licht kein Beleuchtungsmittel, um Gegenstände zu modellieren. So entstehen Bilder, die ihren Ursprung in einem realen Augenblick haben, die aber durch den Malprozess die ihnen anhaftende Realität verlieren und eine neue schaffen. Ganz im Sinne Paul Klees: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar." Das braucht Zeit beim Prozess des Malens, Auftragen, Abtragen, erneuten Auftrags der Farben. Wie in ein menschliches Gesicht sind zuweilen Spuren gelebten Lebens in seine Bilder geschrieben.

Anders seine Monotypien. Diese ein wenig "altmodische" Technik spielt bewusst mit Zufall und Kalkül. Was wird der ursprüngliche Bildträger auf dem Papier preisgeben? Aber gerade durch diese Zufälligkeit kommen Leichtigkeit und Spannung in die Bilder.

Dass die Werke Kedron Barretts einen so überreichen Assoziationsraum für den Betrachter eröffnen, liegt nicht nur an den sorgfältig austarierten Farbklängen, die als Ergebnis sowohl malerischer, als auch auch geistiger Unruhe entstehen. Spontan, reflektiert und kontrolliert in einem. Jutta Lindenthal schreibt in dem Bildband über Barrett und seine Kunst: "Der besondere Reiz des Werkes von Kedron Barrett liegt nicht im ungebrochenen 'expressiven' Ausdruck, sondern in der Vermittlung zwischen dem Melancholischen, Dunklen, Einsamen und dem Hellen, Heiteren, Heimeligen."

Das künstlerische Gen hat übrigens der Vater, Thomas Barrett, weitergereicht. Er war einst Schüler von Max Beckmann. Und Kedron Barretts Sohn ist derzeit Student an der Kunsthochschule in Weißensee. Auf jeden Fall ist dieser amerikanische Berliner eine wunderbare Entdeckung für die Galerie Ei. Denn wer sich seinen Bildern voller Kraft und Wärme anvertraut, darf sicher sein, dass er neue eigene, innere Bilder hinzugewinnt.