Künstler > Michael Waitz > Vorstellung > Vorstellung
Vorstellung (Ausstellung 15.09.2016 - 29.10.2016)

„Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.“ Wer könnte das besser wissen als der früh verstorbene Kunst-Berserker Christoph Schlingensief. Auch die Bilder von Michael Waitz verweigern sich standhaft einer restlosen Erklärung. In seiner gemalten Welt ticken die Uhren außerhalb der Zeit.

Abschied von der Wirklichkeit - ein Leben im Schneckenhaus, beinlos oder kop os. Auf verschlungenen Wegen nden Tropfen um Tropfen ihren Weg durch eine Pipeline. Der unfruchtbare Sand einer verödeten Landschaft macht aus Natur Kulisse. Sinnenleer gedankenschwer.

Michael Waitz zeigt zum zweiten Mal in der Galerie Ei seine entrückten rätselhaften Bilder, die unbeein usst von Logik und menschlicher Erfahrung alle Gesetze außer Kraft setzen. Er irritiert kompromisslos und heftig. Phantasie und künstlerische Realität treffen in einer Weise aufeinander, dass die Perspektiven und Verhältnisse scheinbar aufgehoben erscheinen. In der Wirklichkeit wie auf seinen Bildern. Diese glimmende Spannung zwischen Banalem und Unvertrautem verstört ebenso wie sie die Neugier schürt.

Seine Momentaufnahmen haben keinen Anfang und kein Ende, keinen Spannungsbogen, sind trotzdem jedoch voller innerer Kon ikte und unruhiger Emotionen.Das Bildpersonal erfüllt seine Aufgaben emotionslos wie die Zinnsoldaten. Der kausale Sinn erscheint dem Betrachter eher als Irr-Sinn. Die von Waitz gewählten Farben mit ihren Tönen und Kontrasten suggerieren zunächst Harmonie und Wohlklang. Das Licht modelliert die Dinge nicht, es fragmentiert und abstrahiert. Figur, Ding, Bildraum werden absolut gleich behandelt.

Michael Waitz sagte in einem Interview, dass er den Stempel Surrealist überhaupt nicht mag. Sofern man mit dieser künstlerischen Zuordnung die Traumwelten, das Unbewusste im Blick hat, ist dieser Maler und sind seine Bilder in keiner Weise surreal. Kurios, entrückt, bisweilen verstörend, karikiert und re ektiert Waitz die globale Welt. Für die grundlegende soziale Deformation und Verbiegung des Individuums ndet er Bilder, die die Sinne narren, alles fragwürdig und vage erscheinen lassen. Folgt man Waitz auf den verschlungenen Pfaden seiner Gedanken über den Zustand der Welt, begreift man: Ent-Wicklung ist Ver-Wicklung, Selbsterkenntnis eher Selbstsentblößung. Kritisch und emp ndsam hinterfragt Waitz, ohne die grif ge Antwort zu geben.

Die Brücke, die man betritt, will man sich seiner Kunst nähern, ist gefährlich schwankend. Denn diese grenzenlosen, symbolgeladenen Bilder verunsichern zwischen vermeintlicher Idylle und Morbidität. Mit seinen unaufgeregten Bildern schafft Michael Waitz es auf jeden Fall, dass der Betrachter ganz genau hinschaut. Und damit erfüllt er wohl eine der schönsten Aufgaben, die Kunst überhaupt haben kann. - Wir können es nicht gleich restlos erklären... 

Vorstellung (Ausstellung 28.11.2010 - 5.1.2013)
Ist das nun komisch? Oder tragisch? Oder beides? Wahrscheinlich. Weil wir wissen, dass sich alle weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereignen - einmal als Tragödie, einmal als Farce.

Michael Waitz balanciert malend genau auf der Trennlinie zwischen beiden. Seine Welten sind nicht wirkliche Gegenwelten, aber Absurdistan liegt schon um die Ecke.

Der Maler selbst sagt über seine Arbeit: "Im malerischen Experiment stelle ich die Welt auf den Kopf und gewinne so das dritte prägende Element meiner Arbeit: das Absurde und bisweilen Groteske. … Im Grunde genommen sind meine bildnerischen Experimente das Sinnbild einer Welt, die wir uns eingerichtet haben, in der sich uns trotz aller Kontrolle aber immer wieder Ungeheuerlichkeiten aufdrängen."

In der Welt des Michael Waitz geschehen Dinge, die Wirklichkeit und Un-Möglichkeit auf eine ironische Weise so miteinander verquicken, dass wir, die Betrachter, zwar irritiert sind uns aber auch insgeheim fragen, ob nicht wir es sind, die sich irren und die Wirklichkeit längst aufgehört hat, wirklich zu sein…


Zurück