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Vorstellung
Über Paul Klee hieß es einst, er sei ein Träumer, der aus geheimnisvollen Abgründen einen Schwarm kleiner lyrischer Läuse befreit. "Lyrische Läuse" - ein schönes Synonym für die Geschöpfe, die unsere zwei großen Räume erobert haben. Ein Guckloch in die Welt des Frieder Heinze.

In keiner ernsthaften Grafik-Sammlung fehlte in der DDR Frieder Heinze. Dem von Staats wegen hochgehaltenen sozialistischen Realismus hielt er seine quietschbunten extravaganten skurrilen Blätter und Tücher und Bilder entgegen.  Politisch dürfte das nicht zuvörderst gemeint gewesen sein. Aber so wie die Leipziger "Jungen Wilden" sich gegen die etablierten Alten wie Heisig, Tübke, Mattheuer aufbäumten, ihnen künstlerisch etwas entgegensetzten, steckten es die Funktionäre sofort in die einzige Schublade, die sie kannten, wenn etwas anders neu, frech, ungewohnt war.

Heinze hat sich weder beirren noch bekehren lassen, er reiht immer noch additiv und mit großer Fabulierlust seine Geschöpfe und Zeichen zu Bildern, Bildgeschichten, Geschichtenbildern. Ja, einem ganzen Kosmos. Der Frieder-Heinze-Kosmos. 

Auf den ersten Blick mag dieser heiter, freundlich, versponnen erscheinen. Doch fressen und gefressen werden gehört auch dazu. Gevatter Tod lauert, ein Ufo naht, ebenso wie die Würgeschlange oder das Einhorn, das nicht unbedingt dem Paradies entlaufen ist. Zähnefletscher, rollende Köpfe, zeternde Menschen. Zur Hölle mit ihnen. Zum Himmel mit ihnen. 

Spielerisch-provokativ überwuchern seine Wesen und Zeichen die Malgründe. Doch je jünger die Arbeiten, desto sparsamer werden sie. Heinze reduziert Heinze, den "Spaziergang der Linien um ihrer selbst willen" - so wie es einst Paul Klee über sein Spätwerk sagte. Alles ist einfacher, weniger. Auf kostbarem Japanpapier prangt die "Rote Bohne" oder kommt leichtfüßig "Gekästelt" etwas daher.

Was Heinze durch seine Lebensgefährtin Claudia Rückert noch für sich entdeckte, ist die Keramik. Die von ihr geformten Steinzeuge, bemalt er mit seinen typischen Zeichen und Farben. Wer das Glück hat, auf dem menschen- und kunstfreundlichen Vierseithof in Groß-Pelsen von Heinze und Rückert zu Gast zu sein, wird erleben, wie sehr hier das Leben, die Kunst, der Alltag, die Natur zusammengehören. Utopia liegt in Groß-Pelsen.