Jürgen Heckmanns

Jürgen Heckmanns
Papierarbeiten, Zeichnungen
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Vorstellung (Ausstellung vom 3.9.2014 - 18.10.2014)
Das Werk von Jürgen Heckmanns ist geprägt von der Allgegenwart eines unspektakulären, wenig Dauer versprechenden und alltäglichen Werkstoffs: des Papiers. In wundersamer Verwandlung übernehmen vergilbte Zeitungen, Makulatur, Verpackungen, Umschläge und Zettel die Rolle von Bronze, Stein, Marmor. Die Wahl dieser Materialien ist nicht zufällig - sie signalisiert ein künstlerisches Programm.

Wenn sich Heckmanns Papierkunst in Abkehr vom Glamour der Warenwelt dem Unscheinbaren und Übersehenen, dem Gefährdeten und Verschwindenden zuwendet, wenn sie das Repräsentative scheut und ihm das Fragment und den Zufallsfund vorzieht, macht sie damit ihr Misstrauen gegenüber einer Gesellschaft geltend, die geprägt ist von einer Vision der Macht, vom Glauben an die unbeschränkten Möglichkeiten einer technischen, instrumentellen Vernunft.

Sicher bedeutet die Entscheidung für das unscheinbare, wenig haltbare Papier den Verzicht auf designerischen Hochglanz. Heckmanns setzt Vergilben, Bräunen und Brüchigwerden eines Werkstoffes, der ostentativ seine Vergänglichkeit zur Schau stellt, dem Zeitgeist entgegen. In überbordender Experimentierlust entfaltet sich eine Fülle von Verwandlungen und Gestalten, die Elementares neben Elaboriertes, Intimes neben Monumentales, Realistisches neben Visionäres, Humor neben Tiefgründigkeit und Skizze neben Vollendung stellt.

Viele seiner Objekte ob Figuren, Wände oder Plateaus vermitteln ihre Balance, die von so ausgeklügelter Unwahrscheinlichkeit ist, dass sie jederzeit mit Zusammenbruch droht. Was bezweckt diese Konstruktionsweise? Heckmanns unterminiert in einer Art Trial-and-Error-Verfahren den Stand seiner Skulpturen gezielt bis zu dem Punkt, wo ihr Sturz bevorsteht. Er lässt uns Zeugen nicht eines Untergangs sondern einer Metamorphose werden. Ohnehin fragil und fragmentarisch löst sich die Leiblichkeit seiner Geschöpfe, die uns vergessen machen, dass sie aus Altpapier entstanden sind:
In Brechungen von Licht zeigen sie zahllose Nuancen von Weiß.

Dr. Jürgen Buchmann

Vorstellung (Ausstellung vom 24.11.2010 - 08.01.2011)
Papier ist geduldig. Für das Wort geduldig gibt es 8 Bedeutungen und 146 Synonyme. Das Papier, das sich in Jürgen Heckmanns Händen in ein Kunstwerk verwandelt, ist unendlich wandel- und verwandelbar. Papier hat ein eigenes Leben, und dieses Leben weiß der Künstler aus Herford mit wacher Beobachtung dem simplen Material abzulauschen, einzuhauchen.

Als wir ihn in seinem Atelier besuchten, um die Arbeiten für diese Ausstellung auszuwählen, erlebten wir es wie einen Eintritt in eine Wunderland-Welt. 

Objekte, die fragil und unnahbar wirken (bloß nicht zu stark atmen, sie könnten umfallen) erweisen sich als robust, standfest und durchaus nahbar. Der unbekümmerte Umgang Jürgen Heckmanns mit seinen eigenen Arbeiten, tut ein übriges. Anfängliche Scheu verwandelt sich in neugierige Annäherung.

Illusion ist Wirklichkeit. Sein kalkuliertes und zugleich freies Spiel mit den Schatten seiner Figuren schafft nicht nur Lustgewinn und Verblüffung beim Betrachter. Es gibt dem Platon'schen  Höhlengleichnis eine neue Dimension: Denn das Wirkliche und das reine Abbild des Wirklichen sind plötzlich nebeneinander wahrnehmbar und mit sich selbst vergleichbar…

Heckmanns Kunst ist lebendig in dem Maße, wie man sich auf sie einlässt: sie kann unterschiedliche Farben annehmen (wussten Sie z.b., dass ganz normales chlorgebleichtes weißes Papier zwischen rosa, violett, grau schwanken kann?). Schauen Sie sich daraufhin mal die Gespinste im zweiten Raum an. Sie können je nach eigener Stimmung Schabernack treiben. So wie im ersten Raum die Figurenwand. Zauberisch wie Geschöpfe der Commedia dell'arte tanzen sie ihren Reigen, dann wieder haben sie eine fast religiöse Strenge und Anmutung eines Altars. Ein Freund Heckmanns zog den Vergleich, als er die Wand ansah… 

Jürgen Heckmanns Kunst aus Papier, dem weichen, dem nachgiebigen, dem geduldigen Material ist ganz nah den weltweisen Ideen des Konfuzius: "Ein Baum, der unbiegsam ist, wird leicht gebrochen, das Harte und Starke wird vergehen, das Sanfte und Schwache wird andauern."

Im Leben wie in der Kunst.