Karla Gänßler

Karla Gänßler
Bildhauerin und Grafikerin
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Vorstellung
Ariadne bändigt den Minotaurus - die Geschichte um die griechische Göttertochter Ariadne, die ihren Liebsten Theseus mit dem berühmten Ariadnefaden listig aus dem Labyrinth des Minotaurus führte - inspirierte die Bildhauerin Karla Gänßler zu ihrer frechen Kleinplastik. Fast demütig scheint der Stier vor der stolzen Frau daher zu traben. So ganz und gar nichts Ungeheuerliches hat dieser Minotaurus an sich…

Karla Gänßler folgt Spuren griechischer Mythologie auch mit ihren Bronzen zu den Argonauten und deren Suche nach dem Goldenen Vlies und dessen Raub. Unaufgeregt gleiten sie in ihrem schnellen Boot, der Argo, dahin, Jason, gottgleich, sitzt thronend in einem. Hölderlins Gedichtzeile "im Winde klirren die Fahnen" findet hier plötzlich Entsprechung.

Die Bildhauerin gleicht einer Regisseurin, nach deren Anweisungen sich die Geschichte neu und alt zugleich erzählen lässt. Die filigranen Bronzen locken den Betrachter in vergangene Welten, in denen das Auge lange wandern kann, das Material förmlich streicheln muss, ohne je das Gefühl zu haben: jetzt weiß ich, so ist es. Wieder und wieder macht man neue Entdeckungen auf den geheimen Wegen, die diese Bildhauerin uns aufzeigt. Spuren. Doch "in der Spur werden wir der Sache habhaft; in der Aura bemächtigt sie sich unser", sagt Walter Benjamin.

Die klar gearbeiteten Steine mögen formal eine andere Sprache sprechen als die Bronzen, in ihrer künstlerischen Gesinnung jedoch sind sie ihnen verwandt. Schönheit und Harmonie drücken die Torsi ebenso aus wie Verletzbarkeit. Die steinerne Haut des Kopfes der Nike ist aufgerissen. Spröde und herb zugleich ist ihre Schönheit. Bloß nicht zu vollkommen, da muss noch ein Rest zu bewältigen bleiben…

Karla Gänßler bleibt unruhig und unterwegs.