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NEON REAL „in emotion“
Clemens Gröszer, Harald K. Schulze, Rolf Biebl

Neon Real, dieses lockere Berliner Bündnis mit Manifest seit den Siebzigern, eint vor allem eins: Die Drei sahen sich von Anfang an außerstande, vom Menschenbild abzusehen. Aber so ganz anders, als irgendeine ideologische Doktrin es vorschrieb, eher als lustvolle, virtuose Provokation.

Auf den ersten Blick scheinen die Bildgestalten Clemens Gröszers der Renaissance, zugleich den „Goldenen Zwanzigern“ entstiegen: Figuren einer wie in Trance erstarrten Gesellschaft. Manieristisch - veristische Typen wie aus den Straßencafés, Nachtbars, von den Bordsteinkanten der Großstadt. Die Farbigkeit, die Illusionsräume, das indifferente Licht der mit Noblesse gemalten, kühn komponierten Szenen und schrill-lukullischen Frauenporträts stoßen zuerst auf das Geschehen im Vordergrund. So, als sei hier nur Oberfläche zu haben: Heute genießen, morgen vergessen. Die melancholische Komponente ist gepaart mit Ironie. Dreizehn Mal malte Gröszer „Marin à cholie“, als Metamorphose von Göttin und Hure. Bildkommentare in Gestalt von Maskenweibern, Endzeit-Altäre zur Event-Gesellschaft und böse Gleichnisse vom Künstler-Rollenspiel im globalen Kunstzirkus.

Harald K. Schulze erreicht in seiner etwas trockeneren, weniger ölgesättigten, aber gerade dadurch in tiefere Bedeutungsschichten dringenden Bildschärfe eine Wirkung, bei der die Gestalten auf einen zukommen. Sie scheinen sich quasi vom Bildgrund zu lösen, in einer Präsenz, die magisch und doch zugleich auch distanziert-ironisch, bisweilen sogar lustvoll sarkastisch wirkt. Er rückt uns gnadenlos sinnlich-schön und rückhaltlos hässlich den vom Zeitgeist ge- und verformten, den lebensgierigen, zugleich vergeblich nach Ewigkeit verlangenden, sich aber oft hinter Masken versteckenden Menschen, vor Augen. Dabei ist er aber kein Gesellschaftskritiker, sondern immer ästhetischer Beobachter. Es geht nicht um soziale Vivisektion, sondern um Selbstausdruck für Individualität im trivialen Welttheater.

Rolf Biebl, dem Bildhauer unter den Malerfreunden, ist die menschliche Gestalt zwischen Schönheit und Deformation das unendliche Thema. Er belädt seine Bronzen, Gipse, Steine, Holzskulpturen mit all den Verformungen, die einem widerfahren können. Es sind Wesen, wie von der Last der Vergangenheit und der Gegenwart, von Anpassungszwängen und Resignation oder aggressiver Wut bedrückt und verformt. Oft stecken diese Kopfwesen mit überdimensionierten Geschlechtswerkzeugen und Fäusten oder lehmbruck- bis giacomettihaft gereckten, ausgedünnten Körpern wie in klaustrophobischen Räumen. Davor durchjagen einen extreme Gefühle: Mitleid und Enttäuschung, Boshaftigkeit und tiefe Trauer.

Ingeborg Ruthe

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