Thomas Rother

Thomas Rother
Bildender Künstler - Schriftsteller
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Vorstellung (Ausstellung vom 20.11.2013 - 04.01.2014)
Der bildende Künstler und Schriftsteller Thomas Rother lebt und arbeitet mit seiner Frau Christa Rother auf dem Weltkulturerbe „Zeche Zollverein“ in Essen. 1990 gründete er dort den „Kunstschacht Zollverein“. Kennzeichnend für Rother ist, dass er Fundstücke aus Industrie und Alltag in seine künstlerische Arbeit einbezieht und ihnen damit neue Qualität verleiht.
 
Als er Anfang der 1980er Jahre auf dem noch fördernden „Verbundbergwerk Nordstern/Zollverein“ als Gast der Ruhrkohle AG sein Atelier einrichtete, setzte er mit anderen Mitteln die Arbeit fort, die er zuvor im „Kunstkäfig“ der Telefonbuchdruckerei Sutter begonnen hatte. Direkt im Betrieb experimentierte er dort damals mit Druckfarben und Drucktüchern, mit Walzen und verschiedenen Papieren. Auf dem Bergwerk wurden zunehmend Industrieteile und Werkstücke zu Vorlagen und Druckstöcken, teilweise auch zum Inhalt. Von der Kritik wurden diese Arbeiten als Spuren und Rother als Spurensucher verstanden.
 
Als 1986 das Bergwerk stillgelegt worden war, begann Rother einen Fundus von nicht mehr benutzten industriellen Gegenständen zu sammeln. Vor allem in dem gigantischen Gebäude „Kohlenwäsche“, in dem sich heute das Ruhrmuseum befindet, fand er seine Schätze. Seit 2000 stellt er alle Arbeiten unter den geheimnisvollen Titel „Kohlenwäsche“. Mit Hilfe von Sieben, Wasser und Rüttlern wurde dort die Kohle sortiert.
 
Bei einem Arbeitsaufenthalt 2004/2005 in Berlin beschrieb der damalige Berliner Kultursenator Dr. Thomas Flierl Rothers Arbeit so: „Er erkundet die abgeschriebenen und teilweise verschütteten Fragmente einer vergangenen industriellen Epoche, erfasst Ästhetik und Charme vergessener und inzwischen unbrauchbarer Dinge, das Design ehemals hochtechnisierter Arbeitsmittel, die Zeugnisse und Arbeits- und Lebenswelten, die wir hinter uns gelassen haben. Er überträgt Oberflächen, seien es Straßenpflaster, Gitter, Maschinenteile, Reliefs, Werkzeuge, Grabplatten und Bruchstücke aller Art auf Büttenpapier und Leinwände. So entstehen Abnahmen, Abdrücke, geprägte, abstrakte Bilder, die unsere profane Lebenswelt in Poesie verwandeln.“ 
Interview mit Thomas Rother

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Vorstellung (Ausstellung vom 28.07. - 04.09.2010)

Den Verweis auf Thomas Rother verdanken wir seinem Sohn Stefan Maria. Die fünf Arbeiten, die wir von Thomas Rother zeigen, können nicht einmal annähernd wiedergeben, was diesen Mann künstlerisch treibt. Er ist ein Spurensucher, eine Art Archäologe, einer der Industrie und Alltag in seinen immerwährenden Prozess künstlerischen Tuns einbezieht, der seinen Fundstücken, zumeist aus der Arbeitswelt, neuen Sinn gibt. Die Ästhetik des Profanen nimmt er zum Anlass oder besser zum Anreiz, die Schönheit zu zeigen, die rostigen Zahnrädern oder verwitterten Steinen, geschundenem Holz oder längst ausrangierten Loren, mit denen einst Kohle gekarrt wurde, inne wohnt. 

Ein simples Kreuz hat Thomas Rother zu seinem Sinnzeichen erkoren, weil es ihm, dem Sinnsucher im postindustriellen Zeitalter, den Weg weist. Es als Plus, als Mehr zu begreifen und dass das Ganze immer mehr ist als die Summe seiner Teile. Das wird aber hoffentlich Thema einer ganz anderen Ausstellung sein, in der wir gern den "ganzen Rother" präsentieren möchten. Wem das zu lange hin erscheint, sollte Rother im Ruhrpott einen Besuch abstatten. In der ehemaligen Zeche Zollverein hat er vor 20 Jahren den Kunstschacht gegründet, wo er alten Bergbau-Utensilien ihre Poesie ablauscht.