Rolf Biebl

Rolf Biebl
Bildhauer
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Vorstellung
Als in den 80er Jahren auf dem U-Bahnhof Pankow die lebensgroße Bronzefigur "Der Schreitende" aufgestellt wurde, war das wie ein wunderbarer Luftzug, der durch die vermuffte Welt der offiziellen Kunst am Bau wehte. Denn im gleichen Jahr wurde auch das monströse Thälmann-Denkmal in Berlin eingeweiht. 

An dem Berliner Bildhauer Rolf Biebl kommt seither niemand vorbei. Seine oft ungestüm schreitenden, schmerzvoll überlängten Figuren haben sich längst ins Gedächtnis dieser Stadt geschrieben: in Marzahn, der Brunnen der Generationen, in Mitte die Rosa Luxemburg, in Moabit jene Figur, die die Mauer durchbricht oder die Bronzen rechts und links vom Kesselhaus der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. Rolf Biebl hat der bislang gepflegten klassischen Proportion seine Übertreibungen, Verzerrungen, Überspitzungen trotzig entgegengestellt. So wird die Last, die Not, die Wut, die Trauer, der  Druck, den seine Figuren tragen, noch fühlbarer. Die beklemmenden Übersteigerungen in der Form treiben seine Figuren förmlich bis an ihre Grenzen. Rolf Biebl bleibt dabei aber immer souverän und sich seiner gefundenen Form bewusst. 
Die natürliche figürliche Form ist der Ausgangspunkt, von dem aus Biebl seine künstlerischen Erkundungen der menschlichen Figur beginnt. Während dieses Prozesses benennt er Widersprüchliches, spitzt zu, zitiert. 
Deformationen, Einschnürungen, Abschnürungen, geben dem menschlichen Schmerz ein Abbild und eine selten gewordene Wahrhaftigkeit. Zugleich lassen sie den Betrachter spüren was Energie, Bewegung, Klarheit, Knappheit im Raum auszulösen vermögen. Wie eine Art Energiestrahl treffen die drei lebensgroßen Figuren im ersten Raum den Besucher. 
Ihre Körperlichkeit verwandelt ihn  in ein sprühendes Energiefeld. So oder so: Man muss sich seinen eigenen widersprüchlichen Empfindungen stellen. Rolf Biebls Kunst ist weitab vom Gefälligen. Sie stellt sich in den Weg - so wie der Vineta-Mann.
Bewegung, Klarheit, Knappheit vermitteln auch die marmornen Kleinplastiken, die auf den ersten Blick wesentlich weniger sperrig sind, dennoch nie abgleiten ins Geschwätzige, Gefällige. Der unschuldige weiße Marmor als der einzige Halt, den die Augen finden können.
Im Gespräch mit Matthias Flügge hat Rolf Biebl klar bekannt, was ihn treibt: "Es geht ja nicht um Nachahmung, es geht um Vergewisserung und die Anwendung bildhauerischer Gesetzmäßigkeiten, nur so können Kunstwerke entstehen, die etwas über unser Leben erzählen. Der Kettenbrief des menschlichen Körpers in der Kunst hört nicht einfach so auf - im Gegenteil, er wird weiter geschrieben."