Vorstellung
Finden und erfinden. Die zwei Grundpfeiler künstlerischen Wollens liegen bei der Berliner Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach ganz dicht zusammen. Mit der Darstellung der menschlichen Figur, deren Ausdruck und deren Würde, ist die Künstlerin der deutschen Bildhauer-Tradition zwar verbunden, ohne ihr jedoch verhaftet zu sein. Dazu ist der künstlerische Weg, den Franziska Schwarzbach konsequent bis jetzt gegangen ist, viel zu eigen. Eigenwillig und eigenständig.

Die Konflikte, die sie dabei mit sich austragen muss, die Zweifel, die kann man nur ahnen, angesichts der fertigen Skulptur, die sie dem Betrachter anvertraut. Selbstverständlich und überzeugend findet sie ihr Thema, ihre Form, ihr Material. Oft den Eisenguss, bei dem der Rost oder die Spuren der Korrosion einen gestalterischen Eigenwert besitzen.
 
Dass die im Erzgebirge geborene und aufgewachsene Künstlerin eine besondere Affinität zu diesem Material hat, wurzelt möglicherweise hier. Aber dass sie neben der Bronze auffällig viel den Eisenguss bevorzugt, ist auch wie eine Verbeugung und ein Bekenntnis zu den großen Traditionen des Berliner bzw. preussischen Eisenkunstgusses.
 
In der Darstellung ihrer Figuren und Porträts fällt vor allem diese sehr verinnerlichte Verhaltenheit auf. Bilder vom Menschen, Mitteilungen über dessen Schönheit, dessen Bedürftigkeit, seine Vollkommenheit, seine Verletzungen. Voller Wahrhaftigkeit und Würde gehen ihre Menschen, ihre Porträts auf den Betrachter zu. Bewegend die kleine Bronze "Der Professor im Rollstuhl" - eine Hommage an ihren Vater Hans Brockhage, dessen Holzgestaltungen zum Besten gehörten, was es auf diesem Gebiet gab.
Herb und ohne jegliches Pathos sind ihre Arbeiten. Das spröde Material des Eisengusses lässt es ohnehin nicht zu, dass elementare Gefühle auf unangemessene Weise überhöht würden. Auch weil da nicht irgendwelche Edelpatina ins Spiel kommt.Franziska Schwarzbachs Kunst rührt an, sie ist nie rührend. Eher gibt sie sich dem hintergründigen Humor, einer gewissen Ironie hin. Dafür sprechen auch Titel wie: "Mittleres Donnerwetter", "Bettelnder weiblicher Plagegeist" oder "Schlenkerlotte". 
Der Kunsthistoriker Fritz Jacobi sagte anlässlich einer Ausstellung über ihre Arbeiten: "Ihre Werke gleichen einem Ruf, einer Enthüllung: sie verfremdet, was ihr nahesteht, um einen tieferen Bezug zu gewinnen. Sie inszeniert auch mit Freude an der Sinnlichkeit und an der Gebärde, aber sie belässt stets einen Schleier des Unberührbaren."

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