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Vorstellung

Als wir die Farbkörper aus dem Atelier holten, wirkten sie fast so, als wäre die Ölfarbe noch nicht ganz trocken, würde über den Grund fluten. Dabei hatte Franziska Uhl sie schon ein Jahr zuvor in einer viel beachteten Ausstellung im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt gezeigt.

Farbige Quadrate, Ton in Ton in Ton. Jenseits von Routine lotet sie die Spannung zwischen Spontanität und Kalkül aus. Keine Titel. Seriennummern mit der Jahreszahl. Die Tafeln sind wie ein sanfter Strudel von Mutmaßungen und Spekulationen, in den der Betrachter gezogen wird. In einem Rhythmus von Geist und Energie. Die Freisetzung der Eigenmacht der Farbe, ihrer Wirkenergien fließen als offener Malstrom zusammen zu einem faszinierenden Eigenleben.

„Es gibt nur einen Weg, alles wiederzugeben, alles zu übersetzen: die Farbe.“ Diese Erkenntnis von Paul Cézanne könnte als ein Motto über den Bildern von Franziska Uhl stehen. Die exakt 40 x 40 Zentimeter großen Holzkörper, von ihr als Malgrund erkoren, verwandelte sie in regelrechte Farb-Leiber, berstend vor Energie, mit einer Fülle von Tönen, feinsten Nuancierungen und lebendigen Brechungen. Uhl experimentiert gerne, die zufälligen Linien und Verläufe lassen unverhofft ein künstlerisches Prinzip erkennen und die eigentümliche Materialität der Farbe begreifen. Sie gibt ihnen ein vibrierendes Eigenleben.

Darum sind sie nicht, was sie auf den ersten Blick scheinen, sie tragen ihre Bedeutung nicht offen vor sich her. Schauen reicht nicht, wir müssen uns einlassen, um zu erleben. Franziska Uhl sucht nicht das laute Spektakel, sondern betreibt subtile Forschungsarbeit. Einerseits scheinen die Holzkörper streng organisiert, fordern regelrecht eine bestimmte Abfolge bei der Hängung und Reihung. Andererseits - unterwirft man sich dieser Forderung nicht, ist man fasziniert vom absoluten Eigenleben, das jedes Farbquadrat beansprucht.

Die Oberfläche gebändigt, das Chaos kontrolliert. Aber eben nur auf den ersten Blick, der zweite, der dritte, offenbaren die Tiefe, das Ungebärdige. Dieses Pendeln zwischen Abstraktion und Figuration bietet Lesbarkeit an, verweigert zugleich Lesbarkeit. Franziska Uhl hält die Zeit an. Der unendliche Moment.
Sie ist eine Künstlerin, die sich fortwährend häutet. Malerin, Grafikerin, Zeichnerin, Bildhauerin, und jetzt wieder Malerin... Alles in einem und alle zugleich. Sie geht unverdrossen den langen Weg zu sich selbst. Ausgetretene Pfade meidet sie. Aus den selbst auferlegten Mühen erwächst die Schönheit und Wahrhaftig
keit ihrer Kunst.

Erlangen, Bremen, Dresden, Berlin, jetzt Kunice, ein kleines Dörfchen in Polen jenseits der Oder, - das sind ihre Lebensstationen. Wechselnde Orte, neue Lebensentwürfe, die immer zugleich eine Ahnung von der Courage, dem Selbstvertrauen, dem Starksein, dem Nichtverzagen einer selbstbewussten Frau und Künstlerin geben.

Erfahrung, Einfühlung und Meisterschaft heißen die Pfosten, auf denen das Fundament ihrer Kunst ruht. Darauf und daraus wächst der üppige Reichtum, der so einzig ist.
Zu ihren neuesten Arbeiten, den Farbkörpern, zeigen wir kleine Bronzen und zwei lebensgroße Skulpturen aus Holz. Gewachsen aus Natur und dem schöpferische Geist der Franziska Uhl und unter ihren Zauber
händen zu gültigen und endgültigen Metaphern für menschliche Wünsche und Möglichkeiten, für Würde und Verletzlichkeit menschlichen Seins verwandelt.

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