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Vorstellung

Ausstellung vom 27.02. - 6.4.2019

Die dritte Ausstellung von Sabine Peuckert innerhalb von sieben Jahren in der Galerie Ei. Schönes Kompliment für beide. Sie bleibt sich treu, ebenso wie sie sich jedesmal neu erfindet. Die Thüringerin, die zum Studium nach Berlin kam, fasziniert mit schier unerschöpflicher künstlerischer Frische. Unter den sperrigen Spuren von Stift, Kohle, Tusche werden die gesehenen Dinge ästhetisch überhöht, um dann wieder das Zeichen, das Gleichnis, für „fremd vertraute Landschaft“ zu sein, wie Sabine Peuckert es selbst formuliert.

Sabine Peuckert ist rastlos, wenn sie das Bild, das im Kopf entstanden ist, aufs Papier bringen muss. Wieder und wieder spielt sie mit Varianten und Möglichkeiten, hält die Bildelemente in einem spannungsreichen Schwebezustand. Ihre Sichten von der Welt und auf die Welt machen sehr deutlich, dass Malen und Zeichnen für sie ein aufwühlender Moment der Ruhe ist.

Die Arbeiten, die diesmal in der Ausstellung zu sehen sind, entstanden überwiegend nach einer Reise nach Georgien. Die georgisch-deutsche Gesellschaft hatte einige Künstler nach Alvani zu einem Pleinair eingeladen. Vertraute Ferne. Pirosmani-Feste, dörfliche Strukturen, hölzerne Telegrafenmasten mit den typischen Isolatoren aus Porzellan, wehrhafte Klöster, spitzige Bergketten, Architektur, die die Fortsetzung von Landschaft ist.

Sabine Peuckert arbeitet nicht vor der Natur. Skizzen von unterwegs, Fotografien, Notizen, aufbewahrte Zettelchen sind ihre zuverlässigen Stichwortgeber für die spätere Arbeit im Atelier. Wichtig ist nicht Detailtreue, sondern das Wesentliche, das Prägende, die Spur. Künstlerische Aufrichtigkeit.

Sie sucht nicht nach der optischen Sensation, wichtig ist für sie, das Gesehene und Erlebte emotional zu verdichten, sich auf das Wesentliche zu beschränken. So provoziert sie beim Gegenüber neue Routen im Navigationssystem der eigenen Erlebnisse, Ansichten. So, als spräche sie eine Art Muttersprache der Empfindung.

Sabine Peuckert folgt den selbst festgelegten Koordinaten. Und so entsteht ein völlig neues System, Wege zu gehen, Geschichte zu befragen, Dasein zu erleben, Anderssein achtungsvoll zu tolerieren. In ihren farbigen Blättern gibt es eine Vielzahl kunsthistorischer Referenzen an das Land, die Kultur, die Geschichte Georgiens. Die Tageszeitung zum Beispiel. Der Zeitungsdruck, das Zeitungspapier bleiben als Bildträger und zugleich grafisches Element sichtbar. Verblüffend einfach und überzeugend integriert sie so die externe Welt in ihre Arbeiten. Typische Farben, Ornamente, traditionelle georgische Teppiche denkt man sich unvermittelt dazu, obgleich sie überhaupt nicht sichtbar vorhanden sind. Die Buchstaben des georgischen Alphabets hat man keineswegs im Speicher, weiß aber sofort, dass die bauchigen Kringel, die die Bilder überwuchern, die Schriftzeichen dieses osteuropäischen Landes am Kaukasus sein müssen...

Durch so einfache wie intellektuell rafnierte Mittel versetzt die Künstlerin mit Leichtigkeit und verspielter Freude die Kompositionen in Bewegung und vermittelt unfassbare Ebenen interpretatorischer Möglichkeiten.

Linearität und Ordnung werden zum Ausgangspunkt für künstlerische Freiheit, reduzierte Farben, schwarzweiß, erdige Akzente, sanftes Pastell, begleiten die Vorstellungskraft. Es ist die elementare Freude der Künstlerin an ihrem Sujet, an ihren gefundenen Landschaften, mit denen ihre Kunst-Spuren den Betrachter zum lustvollen Entdecken führen.

Die strenge Ordnung dunkler blockhafter Streifen hinter denen sich zauberische Farbspiele verbergen, offenbart sich bei genauem Hinschauen als Durchblick durch die schrundige Holzkonstruktion einer alten Scheune. Durchblicke versteht man bei Sabine Peuckert sofort immer als Einblicke. Das Eigentlich ist das Dahinter, das Geheimnis, das Lust auf Entdeckung macht.

Diese Durchblicke sind ein wiederkehrendes Motiv bei Sabine Peuckert. Eine Motiv, das ihre künstlerische Haltung verdeutlicht und ihre vertraut wirkenden Arbeiten so neu macht.

Ausstellung vom 29.1 - 8.3.2014

Dass nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern, ist eine Binsenweisheit, und wenn sie nicht direkt in die Papiertonne wandert, eignet sie sich hervorragend zum Fensterputzen, Nasse-Schuhe-Ausstopfen oder auch zum Fische einwickeln. Nicht so bei Sabine Peuckert! Die 2012 verstorbene Financial Times Deutschland und die Berliner Zeitung lieferten der Künstlerin ihr Rohmaterial. Geschnitten, geklebt, collagiert, komponiert entstanden in ihrem Pankower Wohn-Atelier Arbeiten von feinem Klang und origineller haptischer Verführungskraft.

Apropos Fische. Schon Heinrich Heine hat es dereinst mit einem lächelnden Schulterzucken prophezeit, dass nach seinem Tode die Marktfrauen die auf Zeitungspapier gedruckten Gedichte bestenfalls zum Einwickeln ihrer Fische verwenden würden. Sabine Peuckert hat den Spieß nun umgedreht und Zeitungspapier zu Kunst recycelt. Profanes geadelt, Vergängliches belebt, Niederes erhoben.

Sie treibt augenzwinkernd ein Spiel bei dem man ihr gern folgen mag, ohne unbedingt die Regeln zu kennen. Einer Zauberin gleich wirft sie ihr papiernes Netz dem neugierig mit den Augen Wandernden über - und hat ihn verzaubert. Tierchen, Triebe, Blüten treiben im Blätterwald der Künstlerin ihr Spiel. Was jedoch so leicht, so spontan, so verspielt anmutet, ist sehr kalkuliert. Die rosa FTD-Schnipsel und die blaugrauen Berliner Schnipsel tanzen einen schwebenden Reigen, doch die strenge Komponistin, Regisseurin, Choreografin heißt Sabine Peuckert. Nichts geschieht ohne Absicht.

Als eine sensible Sucherin nach Spuren urbanen Lebens hat Sabine Peuckert sich mit ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Ei den Betrachtern vorgestellt. Auch diesmal fehlen Stadtansichten nicht. Dächer, Fensterblicke, Industriebrachen in der dieser Künstlerin eigenen zarten Farbigkeit und noblen Verhaltenheit hängen auch diesmal in der Ausstellung. Wenngleich der Strich dabei spröde, widerborstig und rau bleibt, nicht die witzige Leichtigkeit der Zeitungsbilder aufweist. Aber einmal mehr wird hier wie da deutlich, dass die Beschränkung auf das Wesentliche jene Klarheit gebiert, die Sabine Peuckerts Bilder so poetisch und unwiderstehlich machen.

Objekte, Zeichnungen Assemblagen - so fasste die Künstlerin ihre neue Ausstellung zusammen. Techniken und Gattungen verschmelzen miteinander, die Zeichnungen erhalten Dichte und Mehrschichtigkeit, die Blätter werden regelrecht zu Reliefs. Und einmal mehr wird deutlich, wie überflüssig Schubladen sind. In der Kunst und im Leben.

Ausstellung vom 4.7 - 15.9.2012

Die leise feine Sinnlichkeit, die die Zeichnungen von Sabine Peuckert vermitteln, teilen etwas mit von der schmerzensreichen Liebe, die sie für diese Stadt empfindet. Vor 30 Jahren entstanden ihre ersten Zeichnungen von Berlin. Da im Dreh, wo sie mal gewohnt hat. Rosenthaler- , Mulack-, Stein- Linienstraße. Zeitgleich streifte sie mit dem Fotoapparat über Brachland, Höfe, Ruinenland. Die Unwirtlichkeit der Stadt im Sinn. Dieser heute schon fast vergessenen und nur noch in manchen Erinnerungen existierende Welt sieht man sich unversehens vor ihren herben störrischen Zeichnungen ausgesetzt. Nichts verklärt, nichts geschönt.

Die Thüringerin, die zum Studium nach Berlin kam, hier wurzelte, zeigt Arbeiten, die Spuren gelebten Lebens sichern. Heute wie vor 30 Jahren. Nicht als absichtsvolle Darstellung architektonischer Genauigkeit - die ergibt sich wie nebenbei. Denn unter den sperrigen Spuren von Stift, Kohle, Tusche werden die gesehenen Dinge ästhetisch überhöht, um dann wieder das Zeichen, das Gleichnis, für diese "fremd vertraute Landschaft" zu sein, wie Sabine Peuckert es selbst formuliert.

In der Ambivalenz von Zeitlichkeit und Ewigkeitsahnung, Bewegung und vermeintlichem Zeitstillstand gibt sie dem Dickicht der Großstadt ihre künstlerische Entsprechung. Dabei fällt auf, dass die hier gezeigten Arbeiten ganz aus den Möglichkeiten der Malerei gedacht sind. Die Kraft der Farbe - auch wenn sie überwiegend schwarz in ihren unendlichen feinen Tönen und Energien ist - ist bezwingend und zwingend. Bilder als ein Feld von Impulsen und Intensitäten.

Die drei gezeigten Tusche-Zeichnungen auf dem Fensterbrett auf dem Papier mit den herrlichen Gilbrändern (von denen es viele weitere einer großen Serie gibt) sind von einer so spontanen Leichtigkeit und offenbaren eine so außergewöhnliche künstlerische Souveränität und Sinnhaftigkeit, die selten geworden ist. Die Ästhetik der weißen Fläche triumphiert regelrecht auf diesen Blättern zwischen Zeichen und Geste. Sie stacheln förmlich an, die endende Linie weiter zu denken. Sabine Peuckerts Kunst ist eine Kunst der stringenten Sparsamkeit, die dem Auge immer neue Räume eröffnet.