Vorstellung

Ausstellung vom 29.1 - 8.3.2014

Dass nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern, ist eine Binsenweisheit, und wenn sie nicht direkt in die Papiertonne wandert, eignet sie sich hervorragend zum Fensterputzen, Nasse-Schuhe-Ausstopfen oder auch zum Fische einwickeln. Nicht so bei Sabine Peuckert! Die 2012 verstorbene Financial Times Deutschland und die Berliner Zeitung lieferten der Künstlerin ihr Rohmaterial. Geschnitten, geklebt, collagiert, komponiert entstanden in ihrem Pankower Wohn-Atelier Arbeiten von feinem Klang und origineller haptischer Verführungskraft.

Apropos Fische. Schon Heinrich Heine hat es dereinst mit einem lächelnden Schulterzucken prophezeit, dass nach seinem Tode die Marktfrauen die auf Zeitungspapier gedruckten Gedichte bestenfalls zum Einwickeln ihrer Fische verwenden würden. Sabine Peuckert hat den Spieß nun umgedreht und Zeitungspapier zu Kunst recycelt. Profanes geadelt, Vergängliches belebt, Niederes erhoben.

Sie treibt augenzwinkernd ein Spiel bei dem man ihr gern folgen mag, ohne unbedingt die Regeln zu kennen. Einer Zauberin gleich wirft sie ihr papiernes Netz dem neugierig mit den Augen Wandernden über - und hat ihn verzaubert. Tierchen, Triebe, Blüten treiben im Blätterwald der Künstlerin ihr Spiel. Was jedoch so leicht, so spontan, so verspielt anmutet, ist sehr kalkuliert. Die rosa FTD-Schnipsel und die blaugrauen Berliner Schnipsel tanzen einen schwebenden Reigen, doch die strenge Komponistin, Regisseurin, Choreografin heißt Sabine Peuckert. Nichts geschieht ohne Absicht.

Als eine sensible Sucherin nach Spuren urbanen Lebens hat Sabine Peuckert sich mit ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Ei den Betrachtern vorgestellt. Auch diesmal fehlen Stadtansichten nicht. Dächer, Fensterblicke, Industriebrachen in der dieser Künstlerin eigenen zarten Farbigkeit und noblen Verhaltenheit hängen auch diesmal in der Ausstellung. Wenngleich der Strich dabei spröde, widerborstig und rau bleibt, nicht die witzige Leichtigkeit der Zeitungsbilder aufweist. Aber einmal mehr wird hier wie da deutlich, dass die Beschränkung auf das Wesentliche jene Klarheit gebiert, die Sabine Peuckerts Bilder so poetisch und unwiderstehlich machen.

Objekte, Zeichnungen Assemblagen - so fasste die Künstlerin ihre neue Ausstellung zusammen. Techniken und Gattungen verschmelzen miteinander, die Zeichnungen erhalten Dichte und Mehrschichtigkeit, die Blätter werden regelrecht zu Reliefs. Und einmal mehr wird deutlich, wie überflüssig Schubladen sind. In der Kunst und im Leben.

Zurück